Hüftschmerzen beim Aufsteigen aufs Fahrrad: Was dahinterstecken kann
Du willst losfahren, schwingst das Bein über den Sattel, und plötzlich zwickt es in der Hüfte. Viele kennen das und denken sich nicht viel dabei, solange es beim Fahren selbst nicht wehtut. Trotzdem lohnt sich ein genauerer Blick. Denn wo genau der Schmerz sitzt, gibt bereits erste Hinweise darauf, was dahinterstecken kann.

Warum gerade beim Aufsteigen?
Beim Aufsteigen verlangst du deiner Hüfte in kurzer Zeit einiges ab. Du stehst für einen Moment auf einem Bein, und das Standbein muss dein Becken stabil halten. Gleichzeitig macht die andere Hüfte eine große Bewegung. Wenn du das Bein hinten über den Sattel schwingst, wird die Hüfte gestreckt und abgespreizt. Steigst du vorne durch den Rahmen, wird sie stark gebeugt.
Ist eine Struktur in der Hüfte gereizt, macht sie sich oft genau bei solchen großen oder einbeinigen Bewegungen bemerkbar. Physiotherapeuten unterscheiden dabei vor allem zwischen Schmerzen vorne in der Leiste und Schmerzen seitlich an der Hüfte.
Schmerz vorne in der Leiste
Schmerzen in der Leiste können von verschiedenen Strukturen ausgehen. Fachleute ordnen sie unter anderem den Muskeln und Sehnen rund um die Leiste oder dem Hüftgelenk selbst zu. Mögliche Ursachen sind:
Gereizte Sehne des Hüftbeugers: Der Hüftbeuger hebt dein Bein an. Ist seine Sehne gereizt, schmerzt es oft beim Anheben des Beins, zum Beispiel beim Treppensteigen oder Einsteigen ins Auto.
Engpass im Hüftgelenk (Impingement): Durch die Form von Hüftkopf oder Hüftpfanne kann es bei starker Beugung im Gelenk eng werden. Typisch sind Schmerzen tief in der Leiste beim Socken-Anziehen, nach langem Sitzen oder beim Aussteigen aus dem Auto.
Verletzung der Gelenklippe (Labrum): Die Gelenklippe ist ein Knorpelring am Rand der Hüftpfanne. Ist sie verletzt, kommen manchmal ein Klicken oder ein Hakeln im Gelenk dazu.
Beginnende Hüftarthrose: Typisch sind Anlaufschmerzen nach dem Aufstehen und eine zunehmend eingeschränkte Beweglichkeit.
Gereizte Adduktoren: Die Adduktoren ziehen das Bein nach innen. Der Schmerz sitzt dann eher an der Innenseite des Oberschenkels nahe der Leiste.
Auch ein Leistenbruch oder Beschwerden, die vom unteren Rücken ausstrahlen, können Leistenschmerzen verursachen. Ein Leistenbruch zeigt sich häufig durch eine Schwellung oder Vorwölbung in der Leiste, etwa beim Husten oder Pressen. Das sollte immer ärztlich abgeklärt werden.

Schmerz seitlich an der Hüfte
Tut es eher außen an der Hüfte weh, also dort, wo du einen Knochenvorsprung tasten kannst, sind meist andere Strukturen beteiligt. Fachleute fassen diese Beschwerden oft unter dem Begriff „Trochanter-Schmerzsyndrom“ zusammen. Mögliche Ursachen sind:
Gereizte Sehnen der Gesäßmuskulatur (gluteale Tendinopathie): Sie gelten als häufigste Ursache für seitliche Hüftschmerzen. Die kleinen Gesäßmuskeln halten dein Becken stabil, wenn du auf einem Bein stehst, also auch beim Aufsteigen aufs Rad. Betroffen sind besonders häufig Frauen ab etwa 40. Lebensjahr.
Gereizter Schleimbeutel: Seitlich an der Hüfte liegt ein Schleimbeutel, der wie ein Polster zwischen Knochen und Sehnen wirkt. Er ist oft mitbetroffen, eine alleinige Schleimbeutelentzündung ist dagegen eher selten.
Schnappende Hüfte: Dabei gleitet eine Sehnenplatte ruckartig über den Knochenvorsprung. Das kann man manchmal spüren oder sogar hören.
Ausstrahlung vom Rücken: Auch Beschwerden der Lendenwirbelsäule können seitlich an der Hüfte zu spüren sein, manchmal zusammen mit Kribbeln im Bein.
Typisch für gereizte Sehnen an der Hüftaußenseite ist, dass es auch beim Liegen auf der betroffenen Seite, beim Treppensteigen oder beim Stehen auf einem Bein wehtut.
Auf unserem Instagram Kanal findest du zwei Videos mit hilfreichen Übungen bei Schmerzen an der Seite und Schmerzen in der Leiste.
Schonen oder bewegen?
Bei vielen dieser Beschwerden ist komplette Schonung nicht der beste Weg. Gereizte Sehnen und Muskeln reagieren in der Regel gut auf dosierte, schrittweise gesteigerte Belastung. Für gereizte Sehnen an der Hüftaußenseite gibt es dazu eine große Studie: Wer acht Wochen lang Physiotherapie mit gezielten Übungen und Aufklärung erhielt, berichtete deutlich häufiger von einer Verbesserung als Teilnehmende mit Kortisonspritze oder ohne Behandlung. Die Erfolgsquote lag bei rund 77 Prozent, verglichen mit 59 Prozent nach der Spritze und 29 Prozent ohne Behandlung.
Auch beim Engpass im Hüftgelenk empfehlen internationale Fachleute zunächst eine konservative Behandlung, also ohne Operation, zum Beispiel mit gezielter Physiotherapie.
Wichtig ist die richtige Dosierung. Übungen dürfen anstrengend sein, sollten den Schmerz aber nicht verstärken. Welche Übungen für dich passen, hängt von der Ursache ab.¹
Was du im Alltag tun kannst
Rad zur Seite neigen: Neig dein Fahrrad vor dem Aufsteigen leicht zur Seite. Dann musst du das Bein weniger hoch heben. Ein Rad mit tiefem Einstieg kann ebenfalls entlasten.
Beine nicht übereinanderschlagen: Bei seitlichen Hüftschmerzen drückt diese Position zusätzlich auf die gereizten Sehnen.
Nicht in eine Hüfte hängen: Verteil dein Gewicht im Stehen gleichmäßig auf beide Beine.
Kissen zwischen die Knie: Wenn du auf der Seite schläfst, hält ein Kissen zwischen den Knien die Hüfte in einer entlasteten Position.
In Bewegung bleiben: Dosierte Bewegung ist in den meisten Fällen besser als komplette Schonung.
Wann solltest du es abklären lassen?
Lass deine Hüftschmerzen ärztlich oder physiotherapeutisch abklären, wenn:
die Schmerzen über mehrere Wochen anhalten oder stärker werden,
du hinkst oder das Bein nicht mehr richtig belasten kannst,
du nachts oder in Ruhe Schmerzen hast,
du eine Schwellung oder Vorwölbung in der Leiste bemerkst,
Kribbeln, Taubheit oder Schwäche im Bein auftreten,
die Schmerzen nach einem Sturz oder Unfall begonnen haben,
zusätzlich Fieber, Rötung oder Überwärmung auftreten.
Wir helfen dir weiter
Du kennst das Problem und die Schmerzen gehen nicht weg? Bei PhysioWorld in Frankfurt helfen wir dir gerne.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wende dich bitte an deine Ärztin, deinen Arzt oder deine Physiotherapeutin.
¹Mellor R. et al. (2018): Education plus exercise versus corticosteroid injection use versus a wait and see approach on global outcome and pain from gluteal tendinopathy. BMJ 361:k1662.



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